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| Position: Vita > Italien 1953-1957 | ||
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Der erste große Italienaufenthalt: 1953 bis 1957Die Übersiedlung nach Ischia im Spätsommer 1953 beginnt mit großer Euphorie, als "Lebensfest" und mit einem inspirierenden Aufschwung. Bis 1957 wohnt sie, mit Unterbrechungen, gemeinsam mit Hans Werner Henze, auf der Insel Ischia, in Rom und Neapel. Es war der Beginn der Zeit, wo viele andere Künstler in das mediterrane Klima Italiens zogen und diesen Klimawechsel nicht in erster Linie geographisch verstanden wissen wollten, sondern darin eine Desertion aus den restaurativen Verhältnissen in Deutschland sahen. Auf Ischia, das in jenen Jahren vom Massentourismus noch weit entfernt war, lebte damals in Forio d’Ischia eine recht beachtliche Künstlerkolonie aus Schriftstellern, Komponisten und bildenden Künstlern. Für Bachmann sind die folgenden Jahre von literarischer Anerkennung und Erfolg getragen, sie wird in dieser Zeit zu einer der berühmtesten deutschsprachigen Lyrikerinnen: damals entstand ein Großteil der Gedichte ihres zweiten Bandes, Anrufung des Großen Bären (1956), in dem nun auch die mediterrane Welt Italiens zum Gegenstand wird. Auch im Hörspiel Die Zikaden (1955), einem Auftragswerk des Nordwestdeutschen Rundfunks Hamburgs, setzt sie sich mit dem Aufenthalt auf Ischia auseinander, indem die mediterrane Inselwelt als Rückzugsort anhand verschiedener Typen von Flüchtlingen kritisch beleuchtet wird. Henze komponiert später die Musik zu diesem Hörspiel. Die künstlerische Zusammenarbeit reicht bis in die Mitte der Sechziger Jahre: Bachmann schreibt Opernlibretti für Henze, Henze vertont Bachmann-Gedichte. In dieser Zeit des ersten Italienaufenthaltes widmet sich die Autorin mit großer Hingabe theoretischen Studien, setzt sich insbesondere mit dem Werk Robert Musils und mit der Philosophie Ludwig Wittgensteins auseinander. Ihr erster Lyrikband Die gestundete Zeit (1953) kommt in der von Alfred Andersch herausgegebenen Buchreihe "studio frankfurt" heraus. In Italien veröffentlicht sie zum ersten Mal Gedichte in der mehrsprachigen Literaturzeitschrift "Botteghe Oscure", herausgegeben von Marguerite Caetani, die mit Ingeborg Bachmann befreundet war. Über ein Jahr lang schreibt Bachmann als Italienkorrespondentin für "Radio Bremen" und für die "Westdeutsche Allgemeine", Essen, unter dem Pseudonym Ruth Keller, Beiträge zur Tagespolitik. Am 18. August 1954 erscheint im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" jene Titelstory über Ingeborg Bachmann, die den Grundstein für den Bachmann-Mythos legt. Das Image der "großen Dichterin" mit dem "lyrischen Intellekt" dominiert von nun an die Rezeption von seiten der Kritik. Ihr Konterfei auf dem Titelblatt zieren die Worte "Gedichte aus dem Deutschen Ghetto. Neue Römische Elegien", die auf die goethesche Italien-Lyrik anspielen, aber angesichts der "deutschen Ghettos" der jüngsten Vergangenheit deplaziert sind. 1955 veröffentlicht Ingeborg Bachmann in der Zeitschrift "Akzente" die beiden Essays "Was ich in Rom sah und hörte" und "Die blinden Passagiere". Am 25. März wird ihr zweites Hörspiel Die Zikaden mit der Musik von Hans Werner Henze in Hamburg uraufgeführt. Auf Einladung der Harvard-Universität in Cambridge/Massachusetts tritt sie im August 1955 eine Reise in die Vereinigten Staaten an und nimmt an dem von Henry Kissinger geleiteten internationalen Seminar der Harvard Summer School of Arts and Sciences and of Education teil. 1956 veröffentlicht sie, zum ersten Mal beim Piper Verlag in München, ihren zweiten Lyrikband Anrufung des Großen Bären. Dafür wird ihr 1957 der Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen zugesprochen. Es folgen die beiden Essays "Die wunderliche Musik" und "Die wundersame Musik". Sie wird korrespondierendes Mitglied der "Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung" in Darmstadt. Im gleichen Jahr wird ihr erster Lyrikband Die gestundete Zeit beim Piper Verlag in veränderter Form neu aufgelegt. In Italien erscheinen die ersten Übersetzungen einiger Gedichte, verfasst vom italienischen Neoavantgardisten Nanni Balestrini. Im Herbst 1957 entschließt sich Bachmann unter finanziellem Druck, ihren Rom-Aufenthalt und somit ihr Leben als freie Schriftstellerin vorerst abzubrechen und nach München zu übersiedeln, wo sie bis 1958 als Dramaturgin beim Bayrischen Fernsehen arbeitet. |
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