ANDANTE CON FIGURE (nel verso di IB)

live poetry für stimme und electronic
Isabella Bordoni - Hommage an Ingeborg Bachmann
Palais Palffy, 20. Mai, 19.30 Uhr

in Zusammenarbeit mit Ö1 Kunstradio
und dem Italienischen Kulturinstitut

Wie in allen ihren Arbeiten widmet Isabella Bordoni der kompositorischen Beziehung zwischen Wort und Klang große Aufmerksamkeit. Sie läßt im Palais-Palffy ein poetisches Ambiente entstehen, sowohl akustisch als auch visuell, in dem die in italienischer Sprache rezitierende Stimme mit der Originalstimme Ingeborg Bachmanns verwoben wird, wodurch Verweise und Resonanzen zwischen den Sprachen und Stimmen wahrnehmbar werden.
Die Inszenierung aus Licht-, Dia- und Videoprojektionen bildet den sichtbaren immateriellen Raum für diese Live Poetry-Performance.


Ö1 Kunstradio
Die live poetry Performance von Isaella Bordoni wird am 21. Mai 2006 als Studioproduktion auf Ö1 ausgestraht.

Sendetermin: 23.05-23:45 Uhr
Live in 5.1 Dolby Surround via OE1DD
Technik: Martin Leitner


Reflexion in vier Punkten
1_Seit geraumer Zeit überschreite ich in meiner Arbeit Wort- und Klanghorizonte, um poetische, akustische und visuelle Räume zu schaffen und zu gestalten.
Seit geraumer Zeit vernehme ich die philosophische Gedankenwelt, die in der Dichtung zum Ausdruck kommt und
seit geraumer Zeit schaue ich mit lyrischem Blick zurück auf die Kindheit.
Schon das Wort Kindheit bedeutet einen Aufschrei. Der Schrei ist irreparabel, wie es scheint, und die Geschichte wiederholt ihn immer wieder.

2_Was mich interessiert, ist das Überschreiten, der Übergang.

3_ Ingeborg Bachmann wurde in einem Grenzgebiet geboren, in Südkärnten, im Jahr 1926.
Wenige Jahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges erlebt Ingeborg 1938 als Jugendliche den Anschluss und 1939 den Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges mit. Gerade den Einmarsch der Hitlertruppen in Klagenfurt, der Stadt, in der sie geboren wurde und aufgewachsen ist, bezeichnet sie selbst, Jahre später, als das "Ende ihrer Kindheit".

4_ Von diesem Ende und von diesem Übergang handelt "Andante con figure"
Die Grenze wird poetisch als Ort des Übergangs verstanden, nicht nur räumlich, sondern auch in Bezug auf die Zeit und die Art und Weise, wie sich Veränderungen manifestieren.
Die Grenze kommt im Werk Ingeborg Bachmanns immer wieder vor und steht metaphorisch für Risse oder für Krankheit.
"Andante con figure" führt in eine akustische Welt, in der der klangliche Lebensraum, der die Maßeinheit darstellt, ein Krankenhauszimmer ist. Es ist jedoch ein Raum, der sich zu anderen Welten hin öffnet, nicht klaustrophobisch, sondern paradoxerweise ein Fluchtpunkt, ein Ort der Vorbereitung auf den Flug.
Hier sind Worte und Sprache, und jugendliche Gesichter erscheinen, um diesen Raum zu bewohnen. Es sind Gesichter, die uns gespannt anschauen und uns insbesondere sagen, dass Beständigkeit und Übergang Erfahrungen sind, die untrennbar miteinander verbunden sind.

Isabella Bordoni, Biographie