von Hans Höller, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Salzburg
Gedichte werden oft belächelt, als wären sie zeit- und wirklichkeitsfremd. Oft genug sind sie es auch. Bei Bachmann sind sie es nicht. Ihre Gedichte enthalten genaue Formulierungen, die sich einprägen, Bilder, in denen sich
Erfahrungen verdichten, sehr oft Fragen oder Haltungen, in denen der Mut zum Widerstand seinen Ausdruck findet. In einer Zeit der atomaren Drohung schrieb sie Verse, die heute, angesichts des globalen Terrors, so aktuell sind wie damals: „Die Erde will ein freies Geleit ins All / jeden Tag aus der Nacht haben, / dass noch tausend und ein Morgen wird.“