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| Position: Werk > Stichworte zu Leben, Werk und Wirkung | ||
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verfasst von Hans Höller Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Den „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland erlebte sie als tiefgreifenden, ihr weiteres Leben bestimmenden Schock. Nach dem Krieg ging sie im Herbst 1945 aus Klagenfurt weg, studierte Philosophie, zuerst in Innsbruck und Graz, ab 1946 in Wien, wo sie ihr Studium mit einer sprachkritischen Arbeit zu Martin Heidegger abschloss (1949). Entscheidend wurde für sie in den Wiener Jahren die Begegnung mit Paul Celan (1948), auf den sich ihr Werk von nun an immer wieder dialogisch bezieht. Am Beginn der fünfziger Jahre wurde sie mit ihrem ersten Lyrikband Die gestundete Zeit (1953) bekannt. Sie erhielt den Preis der „Gruppe 47“ in der Bundesrepublik Deutschland und avancierte zur berühmtesten jungen Lyrikerin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. 1956 erschien ihr zweiter Lyrikband, Anrufung des Großen Bären (1956). Neben den Gedichten entstanden in diesen Jahren mehrere Essays zur Literatur, Philosophie und Musik, sie schrieb drei Hörspiele (Ein Geschäft mit Träumen,1952, Die Zikaden, 1955, Der gute Gott von Manhattan, 1958) und, für den Komponisten und Lebensfreund Hans Werner Henze, zwei Opernlibretti (Der Prinz von Homburg, 1960, Der junge Lord, 1965). Ihr Ruhm als Lyrikerin machte es ihr schwer, von der Kritik als Prosaschriftstellerin anerkannt zu werden. Ihre Erzählbände, Das dreißigste Jahr (1961) und Simultan (1972) und der einzige zu Lebzeiten erschienene Roman, Malina (1971), wurden erst seit den späten siebziger Jahren in ihrer großen Bedeutung für die zeitgenössische Literatur erkannt. Die postum erschienene Todesarten-Prosa (1978 in der Leseausgabe bzw. in der kritischen Edition von 1995) wurde für eine ganze Generation von Leserinnen und Lesern zum Bezugspunkt eines neuen Bewusstsein für das Mörderische der scheinbar ganz normalen Lebensverhältnisse und Geschlechterbeziehungen. Ingeborg Bachmann starb am 17. Oktober 1973 an den Folgen eines Brandunfalls in Rom. Seit ihrem Weggang aus Wien, 1953, hatte sie vor allem in Rom gelebt. Andere Zwischenstationen ihres Lebens waren Paris, München, Zürich und Berlin. Nach ihrem Tod haben wichtige zeitgenössische Schriftstellerinnen und Schriftsteller sich mit ihrem Leben und Werk auseinandergesetzt. Unmittelbar nach ihrem Tod widmete ihr Peter Handke seine Büchner-Preis-Rede (1973); eine erste „Spurensuche“ stellte Uwe Johnson Bachmann-Buch Reise nach Klagenfurt (1974) dar, Max Frisch, mit dem Ingeborg Bachmann von 1958 bis 1963 zusammenlebte, erinnerte in Montauk (1975) an sie und ihrer beider Beziehung; Thomas Bernhard hat in seinen Roman Auslöschung. Ein Zerfall (1986) eine enthusiastische Hommage an die österreichische Dichterin eingeflochten - aber die genaueste und schönste Würdigung fand ihr Werk bei Christa Wolf. Die DDR-Schriftstellerin hatte schon Mitte der sechziger Jahre zum ersten Mal die Spezifik von Bachmanns-Prosa beleuchtet (Die zumutbare Wahrheit - Ingeborg Bachmann, 1966), Anfang der achtziger Jahre widmete sie der österreichischen Schriftstellerin die letzte Folge ihrer Frankfurter Poetik-Vorlesungen (Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra, 1983). Inzwischen wird auch Bachmanns originäre literarische ‚Politik’ neu entdeckt. Als deren Zentrum kann man den Widerstand gegen den Krieg sehen, sowohl in der Analyse der Grundlagen von Krieg und Destruktion wie in den utopischen Gegenentwürfen eines erfüllten Lebens in Frieden.
Hans Höller |
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